Buchauszüge
Aus: Schiefele, Hans: Rund um den Fußball, S. 69 f, Union Verlag Stuttgart, 1963
SPIELERPERSÖNLICHKEITEN AUS ALLER WELT
Alfred Schaffer, Heiner Stuhlfauth, Paul Janes, Stanley Matthews, Fritz Walter, Alfredo Di Stefano
Seit Fußball gespielt wird, gibt es Idole, Vorbilder, denen die Jugend nacheifert. Wer seinen Großvater fragt, wird von ihm zur Antwort bekommen, dass der Spanier Zamora als Torwart unerreicht gewesen sei. Vater dagegen wird einwenden, dass der Tscheche Planicka ebenso famos gehalten hätte. Und die Münchner Buben, die den Jugoslawen Petar Radenkovic, genannt »Radi«, im Tor des TSV 1860 bewundern, werden behaupten, dass man sich einen besseren Keeper kaum vorstellen könne. jede Generation hat hervorragende Spieler herausgebracht, die aber nicht miteinander vergleichbar sind. Deshalb ist auch die Frage nach dem besten Spieler aller Zeiten kaum zu beantworten. Wir haben sechs Spielerpersönlichkeiten herausgegriffen, die Schlagzeilen für die Weltpresse geliefert haben.
In Prien am Chiemsee liegt ein einfaches Grab. Die Inschrift auf dem verwitterten Stein lautet: Alfred Schaffer - geboren am -13. Februar -1893, gestorben am 28. August 1945. Man hätte getrost noch hinzufügen können: Hier ruht der ungarische Fußballkönig. Denn Alfred Schaffer war der erste, der diesen stolzen Titel führte. Als er mit seinem MTK Budapest eine Deutschlandtournee machte, kamen die Fußballinteressenten in Scharen. Das Ballstoppen in vollem Lauf, das elegante Umspielen des Gegners und das feinfühlige Passspiel, das der Ungar in Vollendung zeigte, ver. setzten das Publikum in Erstaunen. So etwas hatte man bis dahin nicht gesehen. Schaffer jonglierte mit dem Ball, ließ ihn auf der Stirne tanzen, spielte ihn mit dem Absatz über den Kopf, ohne dass ein Gegner herankam. Bei dem Deutschland-Besuch 1919 verabschiedete er sich vom MTK Budapest. Er trat dem 1. FC Nürnberg bei, wechselte kurz darauf zum FC Wacker München, wanderte später nach Wien weiter und wirkte als Trainer in Frankfurt, Bukarest und Rom. Der begehrte Schaffer verdiente eine Menge Geld, aber selten blieb es lange bei ihm. Es kam häufig vor, dass er sein ganzes Gehalt unter den Spielern aufteilte. »Ich werde einmal nicht alt«, hatte der rastlose Ungar einmal in München, seiner zweiten Heimat, prophezeit. Er starb mit 52 Jahren.
Krämer, Gerd: Im Dress der elf Besten, S. 92, Friedrich Bassermann'sche Verlagsbuchhandlung München, 1961
In Nürnberg ist (1919) bei einer Reise seines MTK Budapest das größte Fußballtalent der Welt , Europas unrastiger » Fußballkönig« Alfred Schaffer , hängen geblieben. Dieser »Spezi« Schaffer setzt, als ihm einmal der Schiedsrichter einen sicher verwandelten Elfmeter zweimal hintereinander abpfeift, zum dritten Mal in aller Seelenruhe den Ball auf die Marke: »Härr Schiedsrichtärr, Sie können pfeifen, was Sie wollen. Sie saggen, in welche Eckäh, und ich schießäh. Bittäh schän!« Der blonde Ungar, der »Spezi«, den es fußballspielend durch die Welt treibt, und der es nirgendwo lange aushält, sieht im Fußball seine Arbeit und er steht damit nicht allein.
Anmerkung: Alfred Schaffer starb Ende August 1945 in Prien am Chiemsee und sein Grab befindet sich auf dem Priener Friedhof. Es wird von der Alten Liga des TuS Prien gepflegt.
Aus dem 75jährigen Jahrbuch der Offenbacher Kickers
So feierten die Kickers "anno 1921/1926"
- im Mai 1921 - wurde der OFC Kickers von 1901 20 Jahre alt, verständlich, daß dieses Ereignis in Offenbach damals gebührend begangen wurde. Die am 1.Juli 1921 erschienene Vereins - Zeitung der Kickers würdigt denn auch die Festtage zum 20. Geburtstag recht ausführlich; sie zeigt, daß auch schon in den 20er Jahren die Feste der Kickers wirkliche Höhepunkte im Vereinsleben waren.
Ein weiteres uns verbliebenes Dokument aus jenen Jahren zeigt auf, wie die Kickers ihre Akademische Feier anläßlich ihres ersten "richtigen" Jubiläums begingen, die Akademische Feier zum 25jährigen.
Doch lassen wir den damaligen Chronisten in der ihm eigenen Sprache selbst berichten:
Der 27.Mai 1921 bildete einen Abschnitt in unserer Vereinsgeschichte. An genanntem Tage waren es 20 Jahre Offenbacher Kickers. Wir wollen uns deshalb hier noch einmal derer erinnern, die vom Gründungs- bis zum heutigen Tage abwechselnd sich in den Dienst der guten Sache gestellt, und die es aber auch verstanden haben, das Schifflein über so manche Klippen und Felsen hinwegzusteuern. Die nunmehr am Bieberer - Berg durch Fleiß, Arbeit und Opferwilligkeit geschaffene Stätte, legt ein beredtes Zeugnis davon ab, dass das einst gesteckte Ziel in nicht geahnter Weise erreicht worden ist. Lassen wir an unserem Geiste kurz vorrübergehn, was uns das Fest war und was uns das Fest brachte.
Unsere Blicke begegneten am Tage des Festes einer herrlichen Feier. Die Orte, an denen wir uns zusammengefunden hatten, strahlten im Fahnenschmuck, der bekundete, dass dieser Tag für uns ein Festtag war. Viele Freunde und Gäste waren herbeigeeilt, um an der Festfreude Anteil zu nehmen. Der 28.Mai 1921 vereinigte uns in der Turnhalle (Goethestraße) zu einem Festkommers, der einen sinngemäßen würdigen Verlauf nahm. Prediger Bloch hielt eine der Feier entsprechende Fest - Rede. Die Kapelle des Offenbacher Musikvereins, Herr von Schenck vom Opernhaus in Frankfurt, Herr H. Hub, Rezitator und das Deubler´sche Quartett trugen zur Verschönerung des Kommerses bei. Unter anderem weilte der Herr Oberbürgermeister Granzin in unserer Mitte, der uns die Glückwünsche unserer Vaterstadt überbrachte.
So ist denn der Tag, der 29.Mai, endlich herbeigekommen, von dem hier schon so viel gesprochen, für den so mancherlei mit Mühe und Arbeit verbundene Vorbereitungen getroffen und für den wir alle besonders einen heiteren Himmel gewünscht hatten. Letzterer lächelte uns sonnig und freundlich und damit war die erste Bedingung zum Gelingen des Festes erfüllt. Wir rechnen es uns zur ganz besonderen Ehre an, eine solche Menge Freunde und Gäste in unsere Freude sich haben teilen sehen. Und wer den glänzenden Verlauf und all diese herrlichen Früchte des am Sonntag - Nachmittag auf unseren Platze Gebotenen sah, der musste offen bekennen, dass uns ein voller Erfolg beschieden war. Im Hinblick auf das große Sieges -und Jubelfest, das wir einst zu feiern hoffen, möge diese Arbeit für einen jeden unter uns ein Sieg werden. Unsere Losung soll und muss bleiben: Vorwärts immer, Rückwärts nimmer.
Gegen 2 Uhr nachmittags ergoss sich wieder ein gewaltiger Strom Menschen nach unserem Sportplatze, der Fahnenschmuck angelegt hatte. Die Sonne durchbrach den etwas leicht bedeckten Himmel, um Zeuge unseres Festes zu sein, und warf die Strahlen zu uns hernieder. Der Sportplatz füllte sich immer mehr, auf der Tribüne staute sich die Menge, die in den kleinsten Ecken und Winkeln vergeblich manch Plätzchen suchte.
Den Auftakt bildete die sog. Gründungsmannschaft des O.F.C. Kickers 01, die aber nicht ganz dem Namen entsprechend zusammengestellt war. Sie lieferte der A. - H. Mannschaft des 1. Hanauer Fußballklubs 1893 ein gut ansprechendes Spiel und unterlag der etwas besser durchgebildeten Hanauer Elf mit 3:2 Toren. Der ausgesprochene Fußballsportsmann konnte in diesem Treffern alte kampferprobte Spieler erblicken, die auch einst Meister der Lederbälle waren. Am Hanauer, wie am Offenbacher linken Flügel stürmten, die dereinst besonders gefürchteten Flügelstürmer Möller und Schleicher, ferner seien die einstigen Fußballgrößen Wilh. Grimm, Karl Tintz, Karl Loeberich und A. Keller erwähnt, die die Erfolge auf dem grünen Rasen und die den Ruf und das Ansehen der Kickerelf in früheren Jahren verbreiteten, miterringen halfen.
Nach Beendigung dieses friedlichen Kampfes ging der Aufmarsch sämtlicher Abteilungen vor sich. Ebenfalls betrat die Wackerelf stürmisch begrüßt das Spielfeld, ihr folgte später die Meisterelf der Offenbacher Kickers. In einem Halbkreis gruppierten sich die verschiedenen Abteilungen, in dessen Mitte der verdienstvolle Ehrenvors. Lavis das Wort ergriff und den Platz seiner Bestimmung übergab. In kurzen kernigen Worten begründete er die Notwendigkeit der neuen Platzanlage, gedachte der tatkräftigen Mitarbeit und Opferwilligkeit der Mitglieder. Seiner Rede schloß sich der 1.Vorsitzende Schmitt ebenfalls mit Worten des Dankes an. Frau Dr. M. Wertheimer beglückwünschte uns namens des "Sport - Echo" Offenbachs und übergab uns aus Anlass des 20jährigen Geburtstages einen herrlichen Lorbeerkranz. Den Münchener Gästen wurde ein Andenken in Form eines silbernen Pokals überreicht. Hierauf hatten sich die Leichtathleten in einem Stafettenlauf gemessen. Noch nicht ganz waren die Phasen dieses Kampfes zu Ende, da rief die Pfeife des Schiedsrichters Gerling (1.FC Nürnberg) die beiden Meistermannschaften von Wacker - München und Kickers Offenbach zum Kampfe. Es mögen ungefähr 8.000 Zuschauer zugegen gewesen sein, als beide Mannschaften sich in folgender Aufstellung gegenüber stellten:
Kickers Offenbach: Hof, Mack, Bock, Egert, Best, Rech, Balder, Heller, R.Keller, Maßmann und Velten.
Wacker - München: Bernstein, Huirias, Spitzweg, Gabler, Rehle, Höss, Gaul, Schaffer , Klingseis und Altvater.
Der Kampf fesselte vom ersten Pfiff und zeigte unseren Meister in nie gesehener Form. Die Mannschaft lief besonders in der ersten Halbzeit zur vollen Form auf, und drückte bereits in den ersten Minuten ganz beängstigend. Die Spannung wurde gelöst, als Bernstein das tückische Leder, von Maßmann nach glänzender Kombination geschossen, aus dem Netz holte. Die Wackerelf, die von Schaffer geführt wurde, durch diesen Erfolg etwas überrascht, fand sich schlecht zusammen, umso mehr als Keller mit der Brust eine Flanke von Velten zum zweiten Treffer eindrückte. Ein Beifallssturm durchtobte die Luft. München arbeitete nun unter Aufgebot aller Kräfte, selbst Schaffer setzte sich langsam in Bewegung und verstand es, eine Ecke durch einen Kopfball einzuköpfen.
Mit 2:1 für unsere Kickers wurden die Seiten gewechselt. Die Schaffermannschaft durfte keine Niederlage einstecken, hätte aber eine mit nach München genommen, wenn sie es nicht verstanden hätte, einige schwache Momente geschickt auszunutzen. Durch Balder vergrößerten wir den Vorsprung und lagen mit 3:1 Toren in sicherer Führung. Das Blatt drehte sich und München kam langsam und sicher auf. Unsere Elf fiel etwas ab, aber dennoch blieb der Kampf spannend und abwechslungsreich. München erzielte durch Schaffer und Gaul weitere 4 Tore und stellte das Ergebnis bis zum Schluss auf 5:3 Toren. Kurz gesagt, es war ein heißer Kampf zweier Mannschaften, der von der glücklicheren und technisch besseren Elf entschieden worden ist. Der Abend vereinigte uns in der Turnhalle zum Festball, wo wir zusammen einige feucht - fröhliche Stunden verlebten.
Aus 75 Jahre FC Viktoria München:
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Doch neues Leben blüht aus den Ruinen
Doch neues Leben erblühte aus den Ruinen und so konnten es auch alle äußeren Widerwärtigkeiten, wie Lebensmittelmangel und Wohnungsnot, nicht verhindern, dass alte und neue Idealisten wieder ans Werk gingen, um den daniederliegenden Sport zu neuen Anfängen zu verhelfen. So fanden sich bereits 1945 im Weinhaus "Kette" in der lckstattstraße , also in unmittelbarer Nachbarschaft des Collosseums, die Viktorianer Saller, Hans Herrler, Fichtner, Pontasch, Kroll, die Gebrüder Kahlhofer und Fritz Berger zusammen. um den Verein neu zu gründen.
Vielleicht war die Wahl des Lokals, das früher von "Spezi" Schaffer , dem wohl bekanntesten Spieler des FC Wacker, der nicht umsonst den Beinamen "Fußballkönig" trug, geführt wurde, ein aus der Not geborener Zufall, vielleicht aber im Hinblick auf fußballerische Tradition ein gutes Omen. Fritz Berger wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt und seiner Initiative in Verbindung mit tatkräftiger Unterstützung von Karl Huber Karl Krickl. Ludwig Beer. Hans Herrler und zahlreicher anderer ist es zu verdanken, dass wieder ein fundiertes Vereinsgebilde geschaffen wurde, auf das man in der Zukunft bauen konnte. Es war damals alles andere als leicht. einen Verein ins Leben zu rufen, denn die Militärregierung machte die Lizenzierung von zahlreichen politischen Aufgaben abhängig und auch die Zusammenkünfte im Vereinslokal "Fraunhofer" mussten erst genehmigt werden : eine Prozedur mit Papierkrieg und zahllosen eidesstattlichen Versicherungen über die politische Zuverlässigkeit der Vereinsmitglieder. Der Bombenkrieg war auch am Valleyplatz nicht spurlos vorübergegangen : in zäher Gemeinschaftsarbeit ohne nennenswerte Hilfsmittel wurden Trichter aufgefüllt. Zäune repariert und die Bepflanzung in Ordnung gebracht. So fand auch noch 1945 das erste Spiel gegen den FC Hertha statt, bei dem ganze neun Spieler ein 0:0 retteten. Von einer schmucken. schwarz-roten Spielkleidung konnte natürlich nicht die Rede sein, olive und graue Wehrmachtshemden, Hosen aller Art und museumsreife Stiefel waren die Ausrüstung. Aber was vorhanden war, das war ldealismus, die wesentlichste Grundlage für ein künftiges Gedeihen.